Kunst im öffentlichen Raum | Jens Kastner | Barbara Holub | VO 1.5 H

Teil 01 | Jens Kastner : Die Verhandlungssache öffentlicher Raum und Kunst als reflexiver Interventionismus

Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) hat im Allgemeinen den Anspruch, über das spezialisierte Publikum der Kunstinstitutionen hinaus breitere Rezipientenkreise zu erreichen. Das dahinter stehende Interesse kann von rein dekorativen über umweltgestalterische Ansprüche bis zu subversiven Absichten und politischen Manifestationen reichen. Grundlage für die Mehrzahl der interessanteren Ansätze ist die Forderung der historischen Avantgarden nach einer Aufhebung der Trennung von Kunst und Lebenspraxis. Immer mehr wird KiöR aber auch von firmen- oder (kommunal-)politischen Interessen als wettbewerbsstrategischer Faktor begriffen.

Die Frage, was den öffentlichen Raum überhaupt als solchen konstituiert, rückt dadurch wieder ins Zentrum der Auseinandersetzung. Zur Verhandlungssache wird der öffentliche Raum insofern auf zwei verschiedenen Ebenen: Haben KünstlerInnen durch ihre Interventionen den öffentlichen Raum erst als solchen ausgehandelt, steht er innerhalb der gegenwärtigen Privatisierungstendenzen als finanzielle Verhandlungsmasse zur Disposition. Vor diesem Hintergrund widmet sich die Vorlesung den politischen Potenzialen von Kunst im öffentlichen Raum. Dabei wird sowohl ein Überblick über die theoretischen Debatten gegeben, als auch ein Einblick in historische künstlerische Praktiken vermittelt. Dass die Geschichte der Kunst im öffentlichen Raum als westeuropäisch-nordamerikanisches Narrativ zu ihrem Verständnis entscheidende Tendenzen ausblendet, sollen Beispiele Kunstpraktiken aus Lateinamerika verdeutlichen.

Teil 02 Barbara Holub

Foto : Jens Kastner
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