| die stadt gehoert dir
Die Stadt selbst produziert, nicht nur eine Menge von Bewegung, von Verkehr, sie produziert eine Menge Information. An der Positionierung der Informationstraeger kann auch die Bedeutung des lancierten Logos oder Slogans abgelesen werden. Die grossen Konzerne haben sich die Plaetze anden Oberkanten der Gebaeude bzw. deren Daecher reserviert, von denen dann maechtige Leuchtbilder und Leuchtschriften strahlen. Die Plaetze der Stadt sind besetzt, sie werden genutzt von allen moeglichen offiziellen und kommerziellen Einrichtungen, sie dienen dem Handel, dem Gewerbe, der kulturellen Vermittlung, dem religioesen Ritus, dem Fremdenverkehr, der Verwaltung, der Erziehung, der Konsumtion, der Regierung, der Unterhaltung. Sie dienen dem Umschlag von Waren, von Information, sie dienen der Befriedigung von Beduerfnissen. Und ihre Schilder, ihre Leuchtreklamen, ihre gestalteten Fassaden signalisieren nicht nur die damit angebotene Ware, die angebotene Dienstleistung, sie signalisieren Besitz. Dieses Territorium ist besetzt von dem und dem fuer diesen oder jenen Zweck. Um besetzen zu duerfen, bedarf es Mittel. Geld. „Macht“. Um besetzen zu duerfen, bedarf es Besitz. Im Gegensatz zu oben angefuehrten Botschaften sind Interventionen privater Personen nicht angemeldet, nicht genehmigt, nicht bezahlt illegaleEingriffe in das Erscheinungsbild. Der ’gemeine’ Stadtbewohner ist aus dem Spiel um das Vorrecht auf Tapezierung seiner staedtischen Umwelt ausgenommen. Ihm gehoert der Raum nicht. Ich besetze einen Raum, der mir nicht gehoert. Ein anonymes Symbol, das sich aus dem Zeichen- und Signalsystem der Werbebotschaften ausnimmt. Kein Verweis auf ein Produkt, eine Ware, einen Konzern, eine Person, keine Aufklaerung über Besitzverhaeltnisse. Nur ein Zeichen. Ein Zeichen dass ich hier war, dass andere hier sein koennten, dass auch ich am Raum teilhabe und teilhaben moechte. Ein Lebenszeichen. Stadtraeume nicht nur als ‘Brachflaechen’ vergessene oder als Buehne besitzbezogener Botschaftstraeger entfremdete oeffnen, alltaeglich, ihrPotential ausschoepfen, einer Allgemeinheit zum Bespielen zugaenglich machen, sich den sinnlichen Genuss dieser Raeume aneignen. Die Freiheit, an beliebigen Orten beliebige Zeichen anzubringen. Entlehnung von Gedanken aus dem Artikel `Botschaften im oeffentlichen Raum. Ein Beitrag zur Graffiti-Kunst` © Franz Krahberger in es.say
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